Case Study

Produktdatenplattform für die digitalisierte Fertigung – vom Datenchaos zur belastbaren Domäne

Unser Kunde entwickelt hochpräzise Werkzeuge im Kundenauftrag – mit entsprechend komplexen technischen Parametern, die bereichsübergreifend exakt stimmen müssen.

Verteilte Altsysteme und Excel-Listen verhinderten jedoch eine konsistente Datenbasis. Mit der zentralen Werkzeugdatenbank entstand erstmals ein belastbares, normiertes Fundament – als Voraussetzung für echte Digitalisierung und die automatisierbare Fertigung der nächsten Stufe.

Komplexe Domäne, fragmentierte Systemlandschaft

Die Werkzeuge des Kunden sind technisch komplex und unterscheiden sich in Typ, Struktur und Parametrisierung erheblich. Ihre Daten waren jedoch nicht zentral gebündelt, sondern über ERP, Zeichnungsverwaltung, BDE, Fertigungsunterlagen und weitere Anwendungen verteilt – ohne einheitliche Struktur oder klare Datenhoheit.

Die Ausgangssituation war kritisch:

  • Rund zehn unterschiedliche Altanwendungen (Web, Desktop, Excel)
  • Inkonsistente Datenstrukturen und widersprüchliche Definitionen
  • Fehlende Validierung und geringe Datenqualität
  • Manuelle Übertragungen zwischen Systemen
  • Keine einheitliche fachliche Modellierung über die verschiedenen Werkzeugarten hinweg

Parallel befand sich das Unternehmen in einer organisatorischen Konsolidierung. Prozesse wurden standardisiert, Verantwortlichkeiten neu definiert. Die IT-Landschaft musste diese Neuausrichtung tragen – nicht behindern.

Zudem war klar: Die geplante Digitalisierung der Fertigung, inklusive perspektivisch automatisiert erzeugter Fertigungsanweisungen, setzt normierte, konsistente und vollständig validierte Stammdaten voraus. Ohne sauberes Fundament keine belastbare Automatisierung. Kern der Herausforderung war daher nicht nur die technische Umsetzung, sondern die fachliche Durchdringung und Vereinheitlichung eines historisch gewachsenen Domänenwissens.

Projektüberblick

Branche:
Spezialisierter Hersteller von Präzisionswerkzeugen für industrielle Anwendungen
Projekt:
Konzeption und Umsetzung einer zentralen Produktdatenplattform zur Ablösung gewachsener Insellösungen
Leistungen:
  • Fachliche Domänenanalyse und -modellierung (Domain-Driven Design)
  • Konsolidierung und Migration heterogener Altdaten
  • Architektur- und Integrationskonzeption
  • Entwicklung einer zentralen Webanwendung
  • ERP-Integration und REST-API für Drittsysteme
  • Qualitätssicherung, Validierungslogiken und Plausibilitätsprüfungen
Produktdatenplattform – Herausforderung

Eine belastbare, zentrale Datenbasis für Vertrieb, Konstruktion und Fertigung

Als strategischer Neustart für Datenqualität, Vereinheitlichung und digitale Fertigung standen folgende Ziele im Mittelpunkt des Projekts:

Vereinheitlichung der verschiedenen Produktgruppen in einem gemeinsamen, konsistenten Domänenmodell

Ablösung gewachsener Insellösungen durch eine zentrale, wartbare Plattform

Integration in bestehende Systeme (insbesondere ERP)

Strukturierte, qualitätsgesicherte Übernahme und Bereinigung der Altdaten

Ziel des Kunden war es, Prozesse zu vereinheitlichen und die Fertigung konsequent zu digitalisieren. Die zentrale, konsistente Datenbasis bildet dafür die notwendige strukturelle Grundlage – und schafft die Voraussetzung für spätere Automatisierungsschritte.

Domäne entwirrt: Fachliche Klarheit als Grundlage der Digitalisierung

Zu Beginn stand keine Software, sondern die systematische Durchdringung der Fachlichkeit. Gemeinsam mit Vertrieb, Konstruktion und Fertigung wurde die bestehende Werkzeuglogik vollständig analysiert. Unterschiedliche Datenmodelle, gewachsene Sonderregeln und implizites Expertenwissen wurden offengelegt, hinterfragt und strukturiert.

Dabei wurden heterogene Strukturen konsolidiert und in ein gemeinsames, hierarchisches Domänenmodell überführt, das die reale fachliche Struktur der Werkzeuge korrekt abbildet. Gleichzeitig wurde verbindlich geklärt, welches System für welche Daten verantwortlich ist und wo Informationen führend gepflegt werden.

Das Ergebnis war nicht nur eine Vereinheitlichung technischer Strukturen, sondern fachliche Klarheit über die verschiedenen Werkzeugtypen, Varianten und Sonderfälle hinweg – als belastbares Fundament für jede weitere Digitalisierung.

Das führende System für technische Werkzeuglogik

Auf Basis dieses konsolidierten Fachmodells wurde eine zentrale Webanwendung entwickelt, die als führendes System für technische Werkzeugstammdaten fungiert.

Die Anwendung bildet die Werkzeuge in einer fachlich korrekten, realitätsnahen Struktur ab – nicht vereinfacht oder flach, sondern entsprechend ihrer tatsächlichen technischen Logik. Die Fachlogik als Kern der Lösung ist klar von Infrastruktur und Integrationsaspekten getrennt, sodass Wartbarkeit und Erweiterbarkeit langfristig sichergestellt sind.

Durch die Integration in das ERP-System werden vorhandene Daten automatisiert übernommen und doppelte manuelle Pflege vermieden. Über eine standardisierte REST-Schnittstelle stellt die Plattform anderen Anwendungen normierte Werkzeugdaten zur Verfügung.

Erweiterte Such- und Filtermechanismen ermöglichen der Konstruktion und Arbeitsvorbereitung eine präzise Recherche auch über komplexe Kriterien hinweg. Ergänzend sichern Validierungsregeln und Plausibilitätsprüfungen die Datenqualität dauerhaft ab.

Die zentrale Werkzeugdatenbank ist damit nicht nur eine Verwaltungsoberfläche, sondern das fachlich führende System für konsistente, normierte und belastbare Werkzeugstammdaten im gesamten Unternehmen.

Domänenmodell Werkzeugdatenbank

Eingesetzte Technologien

  • Java
  • Spring Boot
  • JavaScript
  • Vue.js
  • REST-basierte Integrationsarchitektur

Nahtlose Integration und strukturierte Datenübernahme

Die Lösung wurde nahtlos in die bestehende Systemlandschaft integriert und über definierte Schnittstellen an ERP, Zeichnungsverwaltung und weitere angebundene Systeme angebunden. Der Betrieb erfolgt On-Premise beim Kunden auf containerisierter Infrastruktur. MyControl verantwortet die laufende Technologiepflege, Sicherheitsupdates und die technische Weiterentwicklung.

Die Übernahme der Altdaten aus sämtlichen Vorsystemen erfolgte strukturiert, bereinigt und mehrstufig qualitätsgeprüft. Der Go-Live zum definierten Stichtag verlief ohne operative Unterbrechung – alle Prozesse funktionierten produktiv vom ersten Tag an.

Einheitliche Plattform als Fundament für die Digitalisierung

Mit der zentralen Werkzeugdatenbank wurde eine fragmentierte, historisch gewachsene Systemlandschaft durch eine einheitliche und fachlich konsistente Plattform ersetzt. Die verschiedenen Werkzeugarten sind heute in einem normierten Domänenmodell abgebildet, qualitätsgesichert gepflegt und systemübergreifend integriert. Datenhoheit, Struktur und Verantwortlichkeiten sind klar definiert.

Damit wurde nicht nur operative Stabilität hergestellt, sondern eine strategische Grundlage geschaffen: für standardisierte Prozesse, reduzierte Komplexität und die schrittweise Digitalisierung und Automatisierung der Fertigung.

Nutzen für den Kunden

  • Deutlich reduziertes operatives Risiko durch zentrale Datenhoheit
  • Abbau technischer Schulden durch Ablösung von rund zehn Insellösungen
  • Höhere Prozess- und Investitionssicherheit durch konsistente, validierte Stammdaten
  • Skalierbares Fundament für weitere Digitalisierung und automatisierte Fertigungssteuerung

Ohne saubere Datenbasis keine Digitalisierung.

Wenn Produktdaten über Systeme und Excel-Listen verteilt sind, entstehen Fehler, Abstimmungsaufwand und operative Risiken.
Wir analysieren komplexe Domänen und bauen Plattformen, die Datenqualität und Prozessautomatisierung dauerhaft tragen.

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